Vorweg muss man darauf hinweisen, dass es praktisch unmöglich ist, hier in Kürze alle Informationen zu vermitteln, die notwendig sind, um eine wirklich gute Tonaufnahme zu erreichen, da dafür eigentlich ein mehrjähriges Studium an der Musikuniversität nötig wäre. Nachstehend trotzdem einige Hinweise, die vielleicht hilfreich sein können.
Prinzipiell sollte ein Stereohauptmikrofon und keine Spot-Mikrofone verwendet werden, (also keine Einzelmikrofone für die einzelnen Instrumente), da Sie während der Aufnahme über Kopfhörer abmischen müssen. Es bedarf einer Menge Erfahrung, die Summe einer Vielzahl von Mikrofonsignalen mit Kopfhörern richtig zu mischen. Wenn Sie für die Aufnahme nur 2 Spuren zur Verfügung haben, ist die Verwendung eines gut klingenden Hauptmikrofonpaares oder eines Stereohauptmikrofones die erste Wahl. Versuchen Sie, die Solisten vor dem Orchester zu platzieren; so verhindern Sie, dass die Stimmen im Orchester untergehen und erhalten eine ausgewogene Aufnahme. Auch die "Kommunikation" zwischen Dirigent und Solisten wird dadurch verbessert. Da Aufnahmeräume trocken oder sehr hallig sein können, schlagen wir drei verschiedene Aufstellungsmöglichkeiten vor. Bitte beachten Sie, dass auch die Type des verwendeten Mikrofons von den akustischen Raumeigenschaften abhängt. ORTF - Anordnung (für Räume mit längeren Nachhallzeiten) Montieren Sie 2 Mikrofone mit Nierencharakteristik (z.B. AKG C 480 B + CK 61 oder C 391 B) auf einer Stereoschiene, jedes im Winkel von 55° zur Hauptachse (also 110° zwischen den beiden Mikrofonen) und einem Abstand der Mikrofonkapseln (der gedachten Mittelpunkte der Membranen) von 17 cm. Ordnen Sie das Mikrofonpaar mittels eines hohen Stativs etwa 2 bis 2,5 Meter über dem Boden und etwa 1,25 bis 2 Meter hinter dem Dirigenten an. (Sollte sich das Orchester auf einer anderen Ebene als dem sonstigen Raumboden befinden, dann etwa 2 m über diesem Niveau). Richten Sie die Mikrofone leicht nach unten, etwa in einem Winkel von 5°. Hören Sie die Ergebnisse sorgfältig ab und justieren Sie die Mikrofonanordnung in Höhe und Entfernung nach Bedarf, bis Sie das gewünschte Ergebnis erreicht haben. Diese Mikrofonanordnung verringert den Anteil am Raumsignal und bietet gute Ortungsmöglichkeiten. Decca-Tree (für gutklingende Räume mit geringerer Nachhallzeit) Sie benötigen 3 Mikrofone mit Kugelcharakteristik (z.B. C 480 B + CK 62). Es ist erforderlich, die 3 Signale auf 2 Spuren zusammenzumischen. Das ist nicht weiter schwierig, Stellen Sie das linke und das rechte Signal gleich laut ein (0 dB) und schwächen Sie das Mittensignal um etwa –5 bis –10 dB ab. Bei korrekter Einstellung sollte weder der Eindruck einer Mittenbetonung entstehen, noch ein „Loch in der Mitte“ zu hören sein. Das Mittenmikrofon sollte gleich hinter dem Dirigenten platziert sein, alle Mikrofone sollten sich auf einer Höhe von etwa 1,80 bis 2 m befinden. Da Kugelmikrofone nicht für alle Frequenzen gleichermaßen richtungsunabhängig sind, sondern dazu tendieren, bei hohen Frequenzen eher eine leichte Nierencharakteristik anzunehmen, sollten sie zum Orchester / Chor zeigen (also etwas anders als in der Abbildung dargestellt). Bei dieser Mikrofonanordnung wird sich die Raumakustik wesentlich stärker auf die Aufnahme auswirken und eine ausgezeichnete Raumatmosphäre vermitteln. Wenn Sie nicht genügend Platz für die beiden oben beschriebenen Stereoanordnungen haben sollten, versuchen Sie die X-Y Technik Zwei Nierenmikrofone (wie bei der ORTF-Technik) werden im Winkel von 90° auf einer Stereoschiene montiert. Die Mikrofonkapseln müssen dabei übereinander, ohne jeden Abstand angeordnet sein. Stellen Sie das Mikrofonpaar wieder gleich hinter dem Dirigenten in einer Höhe von 2 m auf und richten Sie die Mikrofone wieder in einem Winkel von etwa 5° nach unten. Diese Anordnung liefert wenig Raumanteile, es kann durchaus sein, dass der nachträgliche Einsatz eines Nachhallgerätes erforderlich wird. Wie schon eingangs erwähnt, können die vorliegenden Zeilen nicht mehr als Anhaltspunkte für eine richtige Aufnahmetechnik vermitteln; leider gibt es keine Patentlösung für jede Situation. Noch ein letzter, aber vielleicht der wichtigste Hinweis: nehmen Sie sich Zeit, hören Sie Ihre Ergebnisse immer wieder ab und zögern Sie nicht, während der Proben die Mikrofonpositionen zu verändern und zu experimentieren. Übrigens: Während der Proben sollte der Aufnahmepegel auf –6 dBfS (6 dB unter dem Maximalpegel) bei der lautesten Stelle liegen. Dies lässt ausreichend Spielraum für die Aufnahme der tatsächlichen Aufführung (bei der die Musiker und Sänger erfahrungsgemäß lauter werden als bei den Proben). Von Georg Burdicek |